Jenseits des Standards
Entscheidend bei einem Film
ist nicht das, was man SIEHT.
Sondern das, was man nicht sieht.
Der Glaube ist weit verbreitet, ein Film sei das, was man sieht.
Das ist die Voraussetzung der Dramaturgie.
Sie arbeitet mit dem Sichtbaren.
Sie ordnet ein physisches Geschehen.
Linear. Kausal. Über die Psychologie von Figuren.
Sie kann damit Spannung erzeugen.
Sie kann Einblicke geben in eine Welt.
Sie kann punktuell emotionale Wirkung haben.
Der dramaturgisch organisierte Film folgt dieser Anlage.
Er kann nichts anderes,
als Wirklichkeit ab- oder nachzubilden.
Er muss aufgrund der von ihm selbst gesetzten Prämissen
bei dem bleiben, was man sieht.
Was man bei einem Film NICHT sieht,
ist das Geschehen im Zuschauer.
Das ist das Feld des Werks.
Es organisiert
dieses Geschehen im Zuschauer
als Erlebensverlauf.
Das Werk benutzt die Welt der Erscheinungen als Material.
Sein Zweck ist nicht Abbildung, sondern Überhöhung.
In einem Akt des Kunstschaffens wird physische Realität in geistige Realität transformiert.
Diese Umwandlung findet im Zuschauer statt.
Als Erleben.
Das Werk ordnet kein äusseres Geschehen.
Es organisiert einen Erfahrungsprozess.
Alle Filme, die wir als große Filme kennen,
alle Filme, die wir dem Weltkino zurechnen,
folgen diesem Prinzip.
→ Werkarbeit geschieht in diesem Sinn.