Der Film als Werk
Viele Filme sind dramaturgisch korrekt gebaut.
Sie funktionieren.
Sie sind nachvollziehbar.
Im besten Fall besitzen sie Spannung
und wecken Interesse an einer Welt.
Und dennoch bleibt in vielen Fällen
ein starkes Gefühl von Ungenügen.
Nicht aus Mangel an Technik.
Nicht aus Mangel an Phantasie.
Sondern aus einem Mangel an Substanz.
Substanz ist keine zwingende Eigenschaft eines Films.
Aber sie ist die charakteristische Eigenschaft eines Werks.
Ein dramaturgisch funktionierender Film ist noch lange kein Werk.
Ein Werk ist die vollendete Einheit einer Idee mit ihrer Gestalt.
Seine Haupteigenschaften sind Vollständigkeit,
die Abwesenheit von Überflüssigem
und das Gleichgewicht seiner Bestandteile.
Ein Werk ist in sich begründet.
Ein Werk organisiert nicht primär Ereignisse;
es organisiert Bedeutung.
Der narrative Verlauf bleibt dabei gegeben,
doch im Werk ist er nicht konstitutiv.
Das Werk legt es nicht darauf an, ein Geschehen zu zeigen,
sondern eine substanzielle Erfahrung zu ermöglichen.
Gestaltbildend ist deshalb ein geistiger Kern.
Seine Sichtbarmachung bestimmt die innere Ordnung des Erzählens.
Ihr ist alles unterstellt – auch der narrative Verlauf.
So bildet sich ein geistiger Raum aus,
der sich im Zuschauer realisiert.
In ihm entfaltet sich ein eigenständiges Bedeutungssystem,
in dem Sinn erfahrbar wird.