Film ≠ Film
Film ist nicht gleich Film.
Filme sehen zwar gleich aus.
Sie bestehen alle aus Bildern, Tönen, Figuren und Szenen.
Aber sie sind nicht dasselbe.
Die meisten Filme erschöpfen sich im sichtbaren Geschehen.
Die anderen bringen etwas hervor, das über das Sichtbare hinausgeht.
Das sind zwei verschiedene Arten von Film.
Und deshalb benötigen sie auch eine unterschiedliche Dramaturgie.
Die Dramaturgie der Nacherzählung
Die Dramaturgie der Nacherzählung ordnet das Sichtbare.
Sie fragt:
• Was geschieht?
• Warum geschieht es?
• Wie entwickelt sich der Konflikt?
• Wie verändern sich die Figuren?
Sie beschreibt den Ablauf eines Geschehens.
Innerhalb dieses Bereichs ist sie folgerichtig.
Aber sie beschreibt nicht den Film schlechthin.
Sie beschreibt nur eine bestimmte Art von Film.
Das Werk
Ein Werk ist mehr als der Ablauf seiner Handlung.
Es organisiert nicht nur das Geschehen auf der Leinwand.
Es organisiert primär das Geschehen im Zuschauer.
Gerade dieses Geschehen im Zuschauer,
sein Erlebensverlauf,
entscheidet darüber,
wie ein Film nachwirkt,
ob er Erkenntnis ermöglicht,
ob er bleibende Bedeutung gewinnt.
Darin unterscheidet sich ein Werk
von einem bloßen Produkt.
Dramaturgie ≠ Dramaturgie
Wenn Film nicht gleich Film ist,
kann Dramaturgie nicht gleich Dramaturgie sein.
Eine Dramaturgie,
die nur das Sichtbare ordnet,
ist nicht geeignet,
Werke hervorzubringen.
Für Werke braucht es eine Dramaturgie,
die den Film als Ganzes organisiert.
Werk-Dramaturgie
Werk-Dramaturgie beginnt nicht bei der Handlung.
Sie beginnt bei der Werkfrage.
Sie fragt nicht zuerst:
Was geschieht?
Sondern:
Welche Ordnung muss entstehen,
damit aus diesem Film ein Werk wird?
Dadurch verändern sich
die Entwicklung,
die Bewertung,
die Kriterien der Qualität
und die Arbeitsweise am Film.
Hier beginnt Werkarbeit.
Die Werkfrage stellt sich nicht abstrakt.
Sie stellt sich immer an einem konkreten Projekt.