Der Film als Werk
Ein Film wird nicht dadurch zum Werk,
dass man ihn dazu erklärt.
Ein Werk ist nicht bloß das Ergebnis
eines Prozesses oder einer Tätigkeit.
Ein Werk ist die vollendete Einheit
einer Idee mit sich selbst.
Es verwirklicht ein inneres Prinzip
in einer stimmigen, eigenständigen Gestalt.
Ein Werk ist vollständig.
Es enthält nichts Überflüssiges
und lässt nichts Wesentliches vermissen.
Seine Bestandteile stehen
in einem Gleichgewicht.
Ein Werk ist in sich begründet.
Dramaturgie
Dramaturgie operiert innerhalb eines von ihr selbst gesetzten Rahmens.
Sie kann diesen Rahmen nicht überschreiten.
Dramaturgisches Denken ist ein-dimensional organisiert.
Es folgt der Logik der Zeit, der Abfolge, des Vorher und Nachher.
Sein Gegenstand ist das lineare Geschehen
und dessen kausale Ordnung.
Dramaturgie ist zur Hervorbringung eines Werkes nicht hinreichend.
Denn Werkbildung entzieht sich einer Denkform,
die ausschließlich temporal operiert.
Werkbildung
Werkbildung verlangt ein mehr-dimensionales Denken.
Sie beruht auf der Fähigkeit,
unterschiedliche Ordnungen zugleich präsent zu halten.
Dieses Denken richtet sich auf Sinn und Gestalt.
Es fragt nach der ontologischen Verfasstheit dessen, was erscheint,
und nach der morphologischen Ordnung, in der es sichtbar wird.
Der narrative Verlauf ist im Werk gegeben,
er ist jedoch nicht konstitutiv.
Wie alle erzählerischen Elemente
ist er der inneren Ordnung des Werkes unterstellt.
So bildet sich das Werk als geistiger Raum aus.
In ihm entfaltet sich ein eigenständiges Bedeutungssystem,
in dem Sinn erfahrbar wird.
So geht Kino.
Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz ist in der Lage,
lineare Erzählformen in großer Perfektion zu erzeugen.
Sie beherrscht Ordnung, Abfolge und Kausalität auf einem Niveau,
das menschliche Routinen übertrifft.
Damit übernimmt sie DEN Bereich des Erzählens,
der auf ein-dimensionalem Denken beruht.
Das standardisierte Erzählen wird durch KI nicht bedroht,
sondern vollendet.
Werkbildung berührt das nicht.
Denn sie gründet nicht auf linearer Organisation,
sondern auf mehr-dimensionalem Denken.
Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz
verschiebt sich der Ort menschlicher Filmschöpfung.
Sie kann nur noch als Werk bestehen.