Wolf Otto
Pfeiffer

entwickelt
mit
Filmemachern

Filme
als
Werke.

Manifest

für ein erweitertes Filmverständnis

Entscheidend bei einem Film
ist nicht das, was man SIEHT.

Sondern das, was man NICHT sieht.

Der Glaube ist weit verbreitet, ein Film sei das, was man sieht.

Darauf stützt sich auch der dominante Teil der heutigen Dramaturgie.

Sie arbeitet mit dem Sichtbaren.
Sie ordnet ein physisches Geschehen.
Linear. Kausal. Über die Psychologie von Figuren.

Die standardisierte Dramaturgie der Nacherzählung folgt diesem Verfahren.

Sie beruht auf dem gewöhnlichen Denken,
auf Linearität und Kausalität.

Sie kann deshalb nicht anders,
als Wirklichkeit ab- oder nachzubilden.

Sie muss aufgrund der von ihr selbst gesetzten Prämissen
bei dem bleiben, was man sieht.

Was man bei einem Film NICHT sieht,
ist das Geschehen im Zuschauer.

Das ist das Feld des Werks.

Es organisiert
dieses Geschehen im Zuschauer
als Erlebensverlauf.

Das Werk verwendet die Welt der Erscheinungen als Ausgangsmaterial.
Sein Zweck ist nicht Abbildung, sondern Überhöhung von Wirklichkeit.
In einem Akt des Kunstschaffens wird physische Realität in geistige Realität transformiert.

Diese Umwandlung findet im Zuschauer statt.
Als geistig-emotionales Erleben.

Das Werk ordnet kein äußeres Geschehen.
Es organisiert einen inneren Erfahrungsprozess.

Alle Filme, die wir als große Filme kennen,
alle Filme, die wir dem Weltkino zurechnen,
erfüllen dieses Prinzip.

Der Film reicht weiter
als sein

Nacherzählungs-Modell.

Die Dramaturgie der Nacherzählung stellt eine gewichtige,
aber begrenzte Praxis des Films dar.

Sie steht für ein Filmverständnis,
das nur einen geringen Teil der Möglichkeiten des Films beschreibt.

Dramaturgie ist weit mehr als das,
was heute unter diesem Namen auftritt.

Sie umfasst
jede wirksame Ordnung eines Films.

Der Film als Werk ist nicht Gegenstand der Dramaturgie der Nacherzählung.

Das Werk ist aber
keine Nebenerscheinung des Films.
Es ist die Form,

in der der Film auf Kunsthöhe
zu sich selbst kommt.

Wo Film wieder als Werk begriffen wird,
verändern sich die Maßstäbe.